Veränderungen erfolgreich nutzen

November 2018 | Kreative Funken

Veränderungen erfolgreich nutzen

Es gibt Bilder, die uns Menschen seit jeher berühren und und zu Veränderungen anregen. Dabei handelt es sich nicht um abstrakte Visualisierungen, sondern um symbolische und kreative Bilder, die uns einen tieferen Sinn vermitteln. Bei diesen Bildern handelt es sich um so genannte „Urbilder“, die seit Jahrtausenden in Mythen, Märchen und Legenden erzählt werden. Sie erreichen unsere tieferen Schichten, weil sie selbst tiefere Wahrheiten in sich tragen. Ein solches archetypisches Bild ist z. B. die „Welle“, die in der Wissenschaft auch als „S-Kurve“ bekannt ist. Doch was ist es, das uns Menschen daran so fasziniert?

Die S-Kurve als Spiegel unseres Lebens

Es ist die Tatsache, dass uns die Kurve auf einen Blick den idealtypischen Verlauf unseres Lebens zeigt. Wir werden geboren, wachsen von kleinen Kindern zu Erwachsenen heran und beginnen anschließend mit dem Aufstieg unserer „Lebenskurve“. Wir steigen ins Berufsleben ein, gründen vielleicht eine Familie, entwickeln uns zu einzigartigen Persönlichkeiten und sammeln Lebenserfahrung. Bis wir hoffentlich irgendwann einmal im hohen Alter das Ende unserer wellenförmigen Kurve erreicht haben.

Abbildung 1: Welle bzw. S-Kurve (eigene Darstellung)

Die Kurve spiegelt aber nicht nur den Verlauf eines Menschenlebens wider. Sie zeigt auch die Geschichte großer Weltreiche oder den Aufstieg und Niedergang von Unternehmen und Produkten. Besonders spannend ist in diesem Zusammenhang, dass uns die Wellenkurve auf ganz einfache Art und Weise das „Paradoxon des Erfolgs“ vor Augen führt.

Nichts ist für die Ewigkeit

Das Paradoxon des Erfolgs besagt, dass unser Erfolg von heute nicht von Dauer sein wird – früher oder später wird es auch wieder bergab gehen. Oder kurz gesagt: Das, was uns heute erfolgreich macht, wird unserem Erfolg morgen im Weg stehen. Wenn wir langfristig erfolgreich bleiben wollen, dürfen wir unsere Kurve also nicht als starres Programm ansehen, sondern als veränderbaren Weg, den wir jederzeit verlassen und weiterentwickeln können.

Denn jede Kurve hält abseits ihrer angestammten Bahnen eine Fülle neuer Möglichkeiten für uns bereit. Alles, was wir dafür tun müssen, ist, rechtzeitig eine neue Kurve zu beginnen, die aus der bestehenden Kurve erwächst. Das erfordert neben Offenheit und Weitsicht vor allem Mut und die Bereitschaft zu Veränderungen. Denn das Geheimnis des Erfolgs liegt darin, die neue Kurve zu beginnen, bevor die alte abzuflachen beginnt. Was sich leicht anhört, ist in der Praxis jedoch eine große Herausforderung.

Das, was uns heute erfolgreich macht, wird unserem Erfolg morgen im Weg stehen. Share on X

 

Mut zur neuen Kurve

Entscheidend für den Beginn der zweiten Kurve ist der Zeitpunkt, zu dem wir die neue Kurve starten. Der ideale Zeitpunkt für den Neustart ist in der Grafik als Punkt A gekennzeichnet.

Abbildung 2: Start der zweiten Kurve (eigene Darstellung)

Hört sich bis hierher eigentlich ganz einfach an. Ist es aber nicht. Denn die meisten Menschen und Unternehmen können und wollen den neuen Startpunkt A einfach nicht erkennen. Schließlich liegt dieser auf der immer noch ansteigenden Welle: „Wieso Veränderungen?“, „Es läuft doch!“ oder „Das wird sich schon regeln!“, trösten sich viele zu diesem Zeitpunkt. Bei genauerem Hinsehen würden sie jedoch schon die ersten Vorboten der Stagnation und des Misserfolgs vor dem Abebben der Welle erkennen. Doch genau diesen unbequemen Teil der Realität blenden wir gerne aus. Statt mit dem Surfbrett unter dem Arm aktiv nach der perfekten neuen Welle zu suchen, bleiben wir lieber passiv in unseren altbekannten Gewässern.

Es gibt allerdings sehr gute Gründe, warum wir den Punkt A nicht allzu weit überschreiten sollten. Denn während uns im Punkt A noch genügend Zeit, Ressourcen und Energie für den bevorstehenden Neubeginn der zweiten Kurve zur Verfügung stehen, nehmen diese beim Verharren auf der alten Kurve immer weiter ab. Das bedeutet nicht, dass wir die zweite Kurve nicht auch zu einem späteren Zeitpunkt beginnen können. Der Aufwand und die Opfer, die wir für die Veränderungen aufbringen müssen, sind jedoch um ein Vielfaches höher als zu einem früheren Zeitpunkt.

Statt mit dem Surfbrett unter dem Arm aktiv nach der perfekten neuen Welle zu suchen, bleiben wir lieber passiv in unseren altbekannten Gewässern. Share on X

 

Leben mit zwei Kurven

Der Start der zweiten Kurve verlangt von uns neben Neugier, Mut und Innovationsfähigkeit auch die Fähigkeit für eine gewisse Zeit mit zwei Kurven zu leben. In der Grafik ist diese Zeit durch die schraffierte Schnittfläche gekennzeichnet, die zwischen den beiden Kurven liegt. Während dieser Zeit gilt es – egal ob wir eine Person oder ein Unternehmen sind – einen paradoxen Zustand zu managen: Indem wir eine Zeit lang bewusst auf beiden Wellen surfen, lassen wir unsere Vergangenheit und Zukunft gewissermaßen gleichzeitig existieren.

Und das ist auch gut so. Denn der erfolgreiche Start der zweiten Kurve erfordert Energieressourcen und Zeit, die wir gezielt von der ersten Welle erhalten können, solange sich diese noch im „Aufschwung“ befindet und noch nicht abflaut. In diesem Prozess besteht unsere Verantwortung einerseits darin, die erste Kurve lange genug aufrecht zu erhalten, um die Anfangsphase der zweiten Kurve unterstützen zu können. Anderseits müssen wir zur gleichen Zeit aber auch ein Gefühl dafür entwickeln, welche unserer alten Vorstellungen und Glaubenssätze die Entwicklung der neuen Kurve blockieren.

Für uns sicher keine leicht umzusetzende, langfristig gesehen aber sehr lohnende Aufgabe. Denn erfolgreiche Veränderungen sind immer das Resultat mutigen und kreativen Handelns.